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Kritisch hinterfragt: Das Märchen von der Rundum-sorglos-Garantie

Bis zur Einführung von VoIP war die Anzahl der Systeme von unterschiedlichen Herstellern, die miteinander interagieren, deutlich geringer als heute. Telefonanlage und Telefone kamen grundsätzlich vom selben Hersteller und wurden per robuster 2-Draht-Technik direkt miteinander verbunden.

Setzt man hingegen SIP-Telefone ein (also internes VoIP), so ergibt sich rasch einmal folgende Situation: Telefonanlage vom Hersteller A, Telefone vom Hersteller B, Switch vom Hersteller C und DHCP-Server vom Anbieter D. Damit nehmen einerseits die Kombinationsmöglichkeiten und damit die Komplexität des Gesamt-Systems exponentiell zu, während gleichzeitig die Anzahl der Kombinationen, mit denen alle Beteiligten ausreichend Erfahrung sammeln konnten, immer stärker abnimmt.

Ähnlich verhält es sich auf der externen Seite, also mit dem Telefonanschluss. Während bei ISDN die Datenübertragung und die Vermittlung der Gespräche von einem Anbieter ausgeführt wird, ist es bei externem VoIP möglich, dass die Datenleitung von Dienstleister A bereitgestellt wird, während die Vermittlung der eingehenden und ausgehenden Gespräche durch Dienstleister B erfolgt. Auch hier steigt die Anzahl der Akteure stark. Zusätzlich wird die Datenverbindung nicht nur für Telefonie, sondern auch zum Surfen im Internet verwendet. Verschiedene Anwendungen konkurrieren also um eine begrenzte Bandbreite.

Erschwerend kommt hinzu, dass für VoIP verwendete SIP vor der Markteinführung nicht in dem Umfang standardisiert und getestet worden ist wie es damals bei ISDN der Fall war.

Unter dem Strich hat die Anzahl der Fehlerquellen massiv zugenommen. Telefonie ist komplizierter geworden, die Sprach-Qualität und die Zuverlässigkeit nehmen tendenziell ab. Wie sorge ich nun als Dienstleister dafür, dass Sie als Kunde von dieser Entwicklung möglichst wenig berührt werden? Folgende Punkte sind aus meiner Sicht entscheidend:

  • Wir reduzieren die Anzahl der beteiligten Hersteller und Dienstleister so stark wie möglich.
  • Wir kombinieren ausschliesslich Produkte und Dienstleister, die sich in unseren Tests bereits als problemlos erwiesen haben oder die von den Unternehmen auf der Kompatibilitätsliste freigegeben worden sind.
  • Werden SIP-Telefone eingesetzt, ist für uns ein Switch mit VLAN sowie ein Router mit QoS Voraussetzung.
  • Ist eine Aufrüstung des Netzwerkes nicht sinnvoll, so empfehlen wir die Verwendung von 2-Draht-System-Telefonen
  • Für eingehende Gespräche und als Hauptleitung für ausgehende Gespräche verwenden wir ausschliesslich SIP-Anbieter, die auch eine Datenleitung anbieten können (zur Kostensenkung kann man zusätzlich einen zweiten SIP-Anbieter kombinieren).

Durch diese Massnahmen können sich zwar am Anfang etwas höhere Investitionskosten ergeben, dafür nehmen Qualität und Zuverlässigkeit zu, und in den allermeisten Fällen lassen sich Komplikationen vermeiden. Ich sage bewusst „in den allermeisten Fällen“, denn aufgrund der eingangs beschriebenen Komplexität lässt es sich leider nie ganz ausschliessen, dass einzelne Komponenten in speziellen Konstellationen nicht auf Anhieb harmonieren.

Das hilft Ihnen, denn nun wissen Sie, dass kein vernünftiger Experte Ihnen von Anfang an versprechen kann, dass es keinerlei Probleme oder garantiert keinen Zusatzaufwand geben wird. Das kann nur jemand, der die Materie nicht voll beherrscht, oder mit Ihnen nicht ehrlich ist…